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BaWü: Termine - 24.07.14

Auschwitz vor Gericht - Fritz Bauer damals und heute

Von: Humanistische Union Baden-Württemberg

Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Vortragsreihe TACHELES der Humanistischen Union Baden-Württemberg und des Instituts für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht an der Universität Freiburg in Kooperation mit dem Arbeitskreis kritischer Juristinnen und Juristen (AKJ) Freiburg.

 

Donnerstag, 24.07.2014, 20.00 Uhr,

Universität Freiburg, Platz der Universität 3, Kollegiengebäude I, Raum 1098.

 

Referent: Dr. Ronen Steinke, Fritz-Bauer-Biograph und Journalist (Süddeutsche Zeitung)

 

Lesung mit anschließender Diskussion

Plakat Tacheles Fritz Bauer

Der Name des früheren hessischen Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer ist seit der Erinnerung an den vor 50 Jahren begonnenen (Frankfurter) Auschwitzprozess wieder einer breiteren Öffentlichkeit in das Bewusstsein gelangt. Es war Fritz Bauer, der gegen alle Widerstände aus der politischen Klasse und vor allem auch der Justiz selbst die strafrechtliche Verfolgung gegen 22 Täter und vieltausendfache Mörder von Auschwitz auf den Weg gebracht hat, die bisher - 17 (!) Jahre nach Kriegsende - unbehelligt unter uns leben konnten. Im Gedenken an diesen Mann hat die Humanistische Union den alle zwei Jahre verliehenen Fritz-Bauer-Preis gestiftet, der am 14. Juni d.J. - leider in Abwesenheit - an Edward Snowden verliehen worden ist für sein Verdienst, die Weltöffentlichkeit über das massenhafte und anlasslose Ausspähen, Speichern und Auswerten von Kommunikationsdaten durch amerikanische und auch deutsche Geheimdienste informiert zu haben. Edward Snowden hat damit die längst überfällige Debatte und die Grenzen des Sicherheitswahns und dessen Gefahren für eine demokratische Gesellschaft erneut angestoßen.

Wer war dieser Fritz Bauer, der mit den Auschwitz-Prozessen den Deutschen ihr hässliches Spiegelbild vorhielt und das Wort Auschwitz mit aller Wucht ins saturierte Wohnzimmer verfrachtete?

Der Fritz-Bauer-Biograph Ronen Steinke schildert Leben und Werk des bis heute wohl für unsere Gesellschaft wirkungsvollsten Juristen. Kein anderer Jurist wird in dieser Zeit so heftig angefeindet und ausgegrenzt. Er beschreibt seine Zunft und das politische Klima in unserem Land mit den Worten: "Wenn ich mein Büro verlasse, betrete ich feindliches Ausland". Fritz Bauer selbst hat eine faszinierende Geschichte: Sozialdemokrat, jüdischer Herkunft, Schwabe, nach der Machtergreifung der Nazis 1933 ins Konzentrationslager verschleppt, Exil-Weggefährte Willy Brandts, Re-Migrant, der den Cheforganisator des Holocaust Adolf Eichmann vor Gericht gebracht hat.

Zum Referenten: Ronen Steinke, Jahrgang 1983, promovierter Jurist, arbeitet heute als Journalist bei der Süddeutschen Zeitung. Sein Buch "The politics of International Criminal Justice" über die Kriegsverbrechertribunale von 1945 bis heute wurde in der FAZ als "Meisterstück" gelobt. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes A. Voßkuhle hat R. Steinkes Fritz-Bauer-Biographie mit einem Vorwort beehrt.

Wir freuen uns auf Ronen Steinke und wünschen ihm eine zahlreiche Zuhörerschaft.